Facharzt für Orthopädie - Ordination Wien & St. Pölten

Das künstliche Hüftgelenk und weitere Sportausübung

Nicht nur die Lebenserwartung sondern auch die Lebensqualität konnten durch die Errungenschaften der modernen Medizin deutlich verbessert werden. Das bedeutet, daß der Großteil der älteren Menschen auch höhere Anforderungen an die Freizeitgestaltung und mögliche körperliche Belastung stellt.  

Viele ältere Menschen brauchen durch verschiedene Erkrankungen, sei es die angeborenen Dysplasien des Hüftgelenks, sei es durch Abnützungserscheinungen des Knorpels, also Coxarthrose, sei es wegen des Absterbens eines Knochensegments des Hüftkopfes durch eine lokale Durchblutungssörung ein künstliches Hüftgelenk.

In diesem Fall ist erfreulicherweise fast immer Hilfe möglich. Die Erfolgsrate der Hüftgelenksendoprothesen ist mit 97% guten und sehr guten Ergebnissen sehr hoch. Die Dauerhaftigkeit dieser guten Ergebnisse bereitet vielen Patienten Sorge und man versucht seine Lebensweise an die neue Situation anzupassen.

Diese Anpassung ist oft ein großes Opfer für unsere Patienten, besonders wenn der Beruf noch weitere schwere Belastungen erfordert, wie etwa bei Landwirten oder Schwerarbeitern. Aber auch die liebgewonnene Freizeitgestaltung, wie Radfahren, Bergwandern oder Schifahren gibt man nicht so ohne weiteres auf.

Wir wollten nun erforschen, ob eine Änderung der Lebensgewohnheiten oder des Berufs nach dem Einbau eines künstlichen Hüftgelenks notwendig ist, oder ob wir unsere Patienten diesbezüglich beruhigen können. Außerdem wollten wir wissen, welche Faktoren die Haltbarkeit der Kunstgelenke sonst noch beeinflussen.

In einer Gemeinschaftsstudie mit Hr.OA Dr.Bartalsky von der Unfallabteilung des Krankenhauses Mödling wurden folgende Patientengruppen nachuntersucht und statistisch ausgewertet:

  1. Patienten mit Knochenbrüchen im Bereich des künstlichen Hüftgelenks mit der Frage ob der Bruch bei der Sportausübung passierte oder sonstige Ursachen wie z.B. Verkehrsunfälle oder Ausrutschen über der Bananenschale etc. hatte.
  2. Die innerhalb von 3 Jahren an der Orthopädischen Abteilung des Krankenhauses St.Pölten gewechselten Hüftgelenksendoprothesen wurden befragt, ob und welchen  Sport sie mit dem Kunstgelenk ausübten.
  3. Eine gleich große Kontrollgruppe von Hüftgelenksprothesenträgern wurde befragt, ob und welchen Sport sie ausübten.


Patient hat nach 2. Hüftprotesen noch 5 Tennisturniere gewonnen !

Resultate:

  1. Knochenbrüche:
    Im Beobachtungszeitraum von 9 Jahren gab es an beiden Abteilungen keinen einzigen Sportunfall mit Knochenbruch im Bereich des Kunstgelenks oder nahe davon.

  2. Sportausübung:
    Vor der Hüftprothesenoperation übten 44 % der Patienten Sport aus, nach der Hüftprothese 30%.; 10% der Patienten regelmäßig, 20% gelegentlich.Die Sportarten waren: Bergsteigen, Bergwandern,Wandern, Radfahren, Schwimmwn, Gymnastik, Schifahren, Reiten, Basketball, Tennis.

    Die Patienten, die kenen Sport betrieben, hatten eine höhere Lockerungsrate, als die, die Sport betrieben. Von den Pat. mit Lockerung betrieben 14 % Sport, von denen mit fester Prothese 44% Sport. Es läßt sich aus diesem Ergebnis beweisen, daß Sport nicht zu einer geringeren Haltbarkeit der Hüftgelenksendoprothesen führt. Man muß aber bei der Interpretation des Ergebnisses auch bedenken, daß Patienten, die durch einen schlechten Allgemeinzustand  oder eine zusätzlich bestehende oft schmerzhafte Osteoporose bereits einen schlechteren Ausgangszustand für eine Lockerung haben, aber wegen der nicht Hüftbedingten Schmerzen  meist keinen Sport betreiben.

  3. Arbeit des Hüftprothesenträgers:
    Die Lockerungsrate bei Schwerarbeitern oder Landwirten war gegenüber Leichtarbeitern, Pensionisten und Hausfrauen höher.  Das scheint ein Widerspruch zum guten Abschneiden der Sportler zu sein. Zwei Faktoren scheinen aber für diesen Unterschied verantwortlich zu sein: a: der Sportler kann bei auftreten von Schmerzen pausieren, der beruflich schwer Belasteteaber oft nicht.b: beim Sport handelt es sich eher um Bewegung als um statische Belastung mit Heben von oft mehr als 50 kg.

  4. Körpergewicht und Lockerung:
    Übergewicht führt zu einem erhöhten Lockerungsrisiko. Die Erklärung ist, daß das Übergewicht ständig mit sich getragen wird, und nicht lediglich einen bewegungsmäßigen Ausgleich wie beim Sport darstellt.

    Neuentwicklungen:
    Für Prothesenlockerungen  werden vor allem folgende Faktoren verantwortlich gemacht: 

    a) erhöhter Abrieb der Gleitpaarung von Prothesenkopf zur Pfanne. Dieses Abriebmaterial kann zu lokalen Schäden der Knochensubstanz vor allem an der Grenze zum Kunstgelenk führen. Materialien mit geringerem und weniger unverträglichem Abrieb können dieses Problem verbessern. Hier hat sich vor allem die Keramik - Keramik Gleitpaarung gut bewährt.
    b) Lösung der mechanischen Verankerung der Prothese im Knochen. Ein von Anfang an bestmöglicher Sitz der Prothese im Knochen bei ideal gewählter Prothesengröße verbessert auch die dauerhafte Befestigung der Prothese.

    Schlußfolgerungen:
    Die gute Haltbarkeit von Hüftprothesen beim Sportler erlauben unseren Patienten ihre Lebensgewohnheitenbeizubehalten.Bei der Berufsausübung von Schwerarbeitern und Bauern besteht zwar eine geringfügig verkürzte Haltbarkeit der Prothesenverankerung, aber oft ist gerade bei diesen Berufen ein Arbeitswechsel nur mit großen Verlusten oder überhaupt nicht möglich. Im Falle einer Prothesenlockerung kann diese - sofern die Diagnose frühzeitig gestellt wird und die Knochenausleierung durch die gelockerte Prothese noch gering ist - auch mehrmals gewechselt werden.  Übergewicht sollte beim Träger eines Kunstgelenks wenn möglich reduziert werden, was natürlich nicht so leicht ist.